Die Erde vor dem Burn-Out: Living Planet Report 2016

Gerodeter Regenwald in Brasilien | Zig Koch/WWF

Heute veröffentlichte der WWF seinen Living Planet Report 2016 und die Ergebnisse der Studie sind erschreckend, und das ist noch harmlos ausgedrückt. Der Mensch zerstört nicht nur unkontrolliert die Natur, sondern zapft sich mehr Ressourcen ab, als die Erde überhaupt hergibt. Mit verheerenden Folgen für zukünftige Generationen.

Die wichtigsten Fakten des Reports im Überblick:

  • Im Jahr 2012 verbrauchte die Menschheit Ressourcen und Leistungen von 1,6 Erden.
  • Seit 1990 wurden 239 Millionen Hektar Naturwälder vernichtet, also abgeholzt und/oder in Monokulturen verwandelt. Das ist eine Fläche, in die Deutschland mehr als sechseinhalb Mal reinpassen würde.
  • Apropos Monokulturen: 2013 erreichte die Produktion von Soja mit 278 Millionen Tonnen einen neuen Höchststand. Der Hauptgrund ist, dass Soja auch als Tierfutter verwendet wird und der Mensch immer mehr Fleisch „frisst“.
  • Auf 34% der gesamten Landfläche der Erde wird Landwirtschaft betrieben.
  • Die vom WWF untersuchten Wildtierbestände schwinden rasant. Immer mehr Tierarten sterben aus. Bis 2020 sollen die Bestände durchschnittlich um 67% sinken.
  • Auch hier sind wir wieder beim Thema menschliches Versagen. Mehr als 3 Milliarden Menschen weltweit decken 20% ihres Eiweißbedarfs aus dem Meer. 31,4% der Fischbestände befinden sich auf keinem nachhaltigen Niveau. Der unstillbare Hunger auf Fisch sorgt für eine massive Überfischung der Weltmeere.
  • Jährlich schrumpfen die weltweiten Bestände an Wirbeltierarten wie Säugetieren, Vögeln und Reptilien um 2%. In den vergangen 40 Jahren wurde ein Rückgang um die Hälfte verzeichnet.
Erde-Erdkugel
Die Erde stirbt – noch gibt es grüne Flecken, aber wie lange? | Barun Patro/Freeimages.com

Der Verlust sowie die Verschlechterung von Lebensräumen ist der häufigste Grund für das Tiersterben. Am Beispiel der Fische sieht man, dass eine Übernutzung vorliegt. Auch die Umweltverschmutzung, z.B. durch Ölpesten oder das industrielle Zeitalter, tragen dazu bei, dass sich Lebewesen nicht mehr ungestört vermehren können und das Nahrungsangebot sinkt.

Der Mensch, der weiter ungedrosselt seinen Raubbau an dem Planeten fortsetzt, steht dabei noch am am besten da. Doch Hungersnöte in vielen Entwicklungsländern zeigen, dass selbst das schlimmste Raubtier aller Zeiten nicht vor dem Kollaps der Erde gefeit ist.

Amurleopard
Dier Amurleopard kann am wenigsten für die Naturkatastophe | David Lawson/WWF UK

Hinzu kommt der vom Menschen vorangetriebene Klimawandel, der das natürliche Gleichgewicht völlig aus dem Ruder laufen lässt. Hat sich schon mal jemand gefragt, warum es kaum noch richtige Winter gibt? Warum im Sommer die Elbe bedrohlich austrocknet? Warum die Polkappen abschmelzen? Sicher nicht, weil jemand den Fön zu lange laufen gelassen hat.

Die weltweiten Temperaturen steigen, was sich auf Natur und Tiere auswirkt. Also auf jene Bewohner dieser Erde, die am wenigsten etwas für die Misere können. Und dann gibt es noch solche Clowns wie Donald Trump, der das so wichtige Klimaabkommen von Paris aus dem letzten Jahr torpedieren will, falls er tatsächlich US-Präsident wird. Gehts noch?

Wer denkt, dass Deutschland in allen Punkten perfekt dasteht, der irrt sich. Die Artenvielfalt und Landschaftsqualität verschlechterte sich in den letzten Jahren signifikant. Um 63% bis zum Jahr 2011. Etwa 29% der heimischen Tier- und Pflanzenarten sind in ihrem Bestand gefährdet. 5,6% sind unwiederbringlich ausgestorben.

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Landwirtschaft und Industrie verpesten die Umwelt | Andrew Kerr/WWF-Canon

Ursachen hierfür sind laut dem WWF in der Landwirtschaft zu suchen, dicht gefolgt von der Forst- und Wasserwirtschaft sowie die Zersiedelung von Landschaften und Emissionsbelastungen in Böden und Gewässern. „Um den Verlust von Vielfalt umzukehren, müssen wir den Umgang mit der heimischen Umwelt und Natur grundsätzlich hinterfragen“, schreibt der WWF im aktuellen Living Planet Report 2016. „Zur Trendumkehr bedarf es erheblicher zusätzlicher Anstrengungen von Bund, Ländern und Kommunen.“

„Wenn wir uns beim Kampf gegen den Klimawandel durch CO2-Beseitigung aus der Atmosphäre ausschließlich auf neue Technologien und auf die Emissionsminderung verlassen wollen, jedoch den Landnutzungswandel, die biogeochemischen Kreisläufe und die anderen Subsysteme außer Acht lassen, dann werden wir keinen nachhaltigen Weg durch das Anthropozän finden.“

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Dürre in Namibia | Tony Heald/WWF

Der Report zeigt außerdem, dass Länder wie die USA, Australien und China den größten ökologischen Fußabdruck hinterlassen. Auch Deutschland ist gut dabei, während es in den meisten afrikanischen Ländern mehr helle als dunkle Stellen anzeigt. Je dunkler die Einfärbung, desto größer der Anteil an der weltweiten Öko-Katastrophe pro Kopf. Deutschland hat zum Beispiel einen ökologischen Fußabdruck von 5,3 gha (Globale Hektar) pro Kopf, während das Land nur über eine Biokapazität von 2,3 gha pro Einwohner verfügt.

Aus der „One Planet“-Perspektive des WWF sind kluge Lösungen, das Naturkapital zu schützen, effizienter zu produzieren, für eine gerechtere Verteilung der Ressourcen zu sorgen und vor allem auf einen vernünftigen Konsum hinzuarbeiten. Was mich wiederum zum Nachdenken anregt (nicht erst seit heute).

Als ich im Supermarkt stand, habe ich mich schon oft gefragt, wer das alles vertilgt! In jedem Markt sind die Fleischtheken gerammelte voll. Es gibt Obst und Gemüse im Überfluss und zig verschiedene Käsearten. Muss das wirklich sein? Ich bin kein Heiliger, auch ich werde des Öfteren schwach. Wenn man sich allerdings vor Augen führt, dass in vielen Teilen der Erde schon jetzt Nahrungsmittelknappheit herrscht und wir uns hier ungehindert der Völlerei hingeben, läuft irgendwas gewaltig falsch. Und muss man wirklich drei Mal im Jahr in den Urlaub fliegen oder jeden Tag baden?

Soja-Landwirtschaft-Monokultur
Soja-Anbau in Brasilien | Peter Caton/WWF

„Die Menschheit treibt die Erde in einen lebensbedrohlichen Burn-Out. Dagegen hilft nur ein tiefgehender Paradigmenwechsel“, mahnt Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland.

Was jeder Einzelne tun kann, um zumindest für sich selbst ein reineres Gewissen zu haben, habe ich in diesem Artikel zusammengetragen. Ansonsten lege ich euch dringend den Living Planet Report ans Herz, der ungeheuer interessant ist und jeden zu einem Umdenken anregen sollte.

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