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Blogger-Kooperationen: So unverschämt sind Anfragen von Unternehmen

Geiz ist geil, auch im Content-Marketing

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Blogger oder allgemein „Influencer“, wie heutzutage der Oberbegriff für allerlei kreative Menschen lautet, werden ja gerne als Schmarotzer bezeichnet, wenn sie sich um einen gratis Hotelaufenthalt im Gegenzug für eine Erwähnung in einem Blog Post oder auf Instagram bemühen. Aber was sich manche Unternehmen in Bezug auf Blogger-Kooperationen rausnehmen, finde ich auch ziemlich grenzwertig.

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Inzwischen landen wöchentlich mehrere Emails diverser Marketingabteilungen in meinem Email-Posteingang, in denen es nur um das „Eine“ geht – Cheap Content Marketing. Eine schnelle, billige Nummer schieben.

Meist beginnt alles mit einer harmlosen Anfrage. Als Beispiel bringe ich eine Kooperationsanfrage von heute Mittag, die mich so in Rage brachte, dass ich mich beim Schreiben dieses Beitrages (fünf Stunden später) immer noch nicht beruhigt habe.

Stellen, mit denen das Unternehmen identifizierbar wäre, habe ich gestrichen. Bin ja kein Arschloch.

„Wir sind ***, europäischer Marktführer der …branche. Bekannt wurden wir während der letzten vier Jahre als das ‚….‘. (…)

Nach aufmerksamen Studieren Eurer Webseite, sind wir uns sicher, dass Ihre Leser sehr interessiert an einem Beitrag über *** wären.

Hättet Ihr Interesse und könntet euch vorstellen über uns zu schreiben oder einen Artikel über uns zu veröffentlichen? Über eine zukünftige Zusammenarbeit würden wir uns sehr freuen.“

Natürlich freut es mich, wenn Anfragen reinkommen. Und aus reiner Naivität glaube ich trotz aller Negativerfahrungen immer noch an das Gute im PR-Fachmann, doch in den allermeisten Fällen hauen mir die Herrschaften schnellstmöglich einen Knüppel zwischen die Beine, um mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.

Meine Reaktion erfolgt meist nach diesem Schema:

  1. Bedanken für das Interesse an meiner Seite
  2. Kurz auf das anfragende Unternehmen eingehen – kenne ich es, kenne ich es nicht?
  3. Passt es überhaupt zu meiner Zielgruppe?
  4. Darüber aufklären, dass bezahlte Beiträge bei mir strikt gekennzeichnet und ausgehende Links mit „nofollow“ markiert werden
  5. Nach der Gegenleistung fragen

Mit den letzten beiden Punkten haben die meisten Leute ein Problem. In Deutschland ist es so, dass der Leser zwischen werblichem und normalem Content unterscheiden können muss. Mit anderen Worten, Advertorials müssen möglichst irgendwo im Titel oder ersten Absatz das Wort „Anzeige“ oder „Werbung“ enthalten.

Das regelt §4 im Gesetz zu unlauterem Wettbewerb (UWG). Punkt. Da gibt es erstmal nichts dran zu rütteln. Siehe auch der Wikipedia-Eintrag zum Thema Content Marketing.


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Gleichzeitig muss ich mich als Webseitenbetreiber und Blogger an die Richtlinien von Google halten, um nicht eine Penalty gefolgt von Rankingverlusten zu kassieren. Auch hier sind die Grenzen klar definiert.

Die Suchmaschine schreibt dazu auf einer Unterseite mit dem Titel „Linktauschprogramme“:

„Kauf oder Verkauf von Links, die PageRank weitergeben. Dazu gehören der Austausch von Geld für Links oder Beiträge, die Links enthalten, sowie der Austausch von Waren oder Dienstleistungen für Links. Darüber hinaus zählt dazu auch das Senden „kostenloser“ Produkte, wenn Nutzer im Gegenzug etwas darüber schreiben und einen Link einfügen.“

Genau daran versuche ich mich zu halten, deshalb mache ich bereits beim ersten Kontakt reinen Tisch. Ich erläutere warum diese Kennzeichnungen notwendig sind. Dass es einerseits für mich ein Schutz vor Abmahnungen ist und andererseits sowohl für mich als auch für den Auftraggeber potenziell schädlich ist, in Beiträgen mit kommerziellem Hintergrund Do-Follow-Links einzusetzen.

Verstehen die nicht. Glaubt mir das, spart euch die Mühe. Haut euch lieber ein Ei in die Pfanne oder bestellt bei Amazon Sachen, die ihr eigentlich gar nicht braucht.

geschockte-Katze
Foto: Counselling/Pixabay

Die Gier nach „billigen“ Backlinks, um das Google-Ranking zu manipulieren, ist viel zu groß. Wie Politiker, die den Hals nicht voll genug kriegen und sich Diäten erhöhen, bevor überhaupt eine mehrheitsfähige Regierung steht.

Dabei regt mich die bloße Anfrage noch nicht sonderlich auf. Was mich auf die Palme bringt ist, dass meine Arbeitskraft nicht gewürdigt wird. Für einen Beitrag, in den ich mehrere Stunden an Zeit und Recherchen investiere, soll ich mit Kleinstbeträgen abgespeist werden.

„Als kleines Start-up sind wir vor allem darauf Bedacht unsere Bekanntheit und Sichtbarkeit beim Kunden und im Netz, vor allem bei Google zu erhöhen.

Deshalb wäre ein Artikel mit Link, der nicht mit ’nofollow‘ gekennzeichnet ist von großem Wert. Wir wären auch bereit dafür einen kleinen Betrag zu entrichten.“

Kleines Start-Up? Die betreffende Firma gibt es nach eigener Aussage mindestens vier Jahre und gibt sich als „europäischer Marktführer“ aus. Zweitens springt mir ins Auge, dass sie nur einen „kleinen Betrag“ entrichten wollen. Daran merke ich, dass es nur darum geht, einen Vollhorst zu finden, der für möglichst wenig Geld die Werbetrommel rührt.

Aber nicht mit mir.

Die Höhe war allerdings die letzte Mail des Herren, nachdem ich alle rechtlichen Voraussetzungen für eine Blog-Kooperation genannt hatte.

„Hallo Martin,

danke für die Ausführliche Beschreibung mit Link, ich habe es mir durchgelesen und werde auf jeden Fall noch weiter dazu recherchieren.

Gegen einen Artikel sagen wir natürlich nicht nein, ohne Backlink allerdings ohne eine Gegenleistung unsererseits.“

Puhhh. Hier musste ich mich wirklich beherrschen, nicht vor Wut in die Tastatur zu beißen. Ich soll also im Bestfall einen Artikel schreiben, ohne einen einzigen Cent dafür zu erhalten. Natürlich, wird garantiert passieren, denn ich habe ja nichts Besseres zu tun, als für lau zu arbeiten. Der Server, mein Mittagessen, das Katzenfutter finanzieren sich durch Luft und Liebe.

Blogger-Ausruestung-Equipment
Foto: Skitterphoto/Pixabay

Dementsprechend fiel meine Antwort aus, denn wie man in den Wald hineinruft, so schallt es bekanntlich heraus.

„Ohne eine Gegenleistung wird natürlich nichts geschrieben. Oder arbeitest du für lau in deinem Unternehmen? Um ehrlich zu sein, finde ich es sogar richtig unverschämt, überhaupt sowas anzudeuten. Arbeitskraft kostet Geld, gute Werbung auch.“

Und mit sowas muss ich mich auf fast täglicher Basis herumschlagen. Niemand will mehr für ehrliche Arbeit entsprechend bezahlen. Oder es werden Do-Follow-Backlinks auf fadenscheinige Glücksspielanbieter vorausgesetzt.


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Das ist das Frustrierendste an meiner Arbeit. Ich bin wirklich kein Geldgeier, der überzogene Forderungen stellt, ich möchte einfach nur fair entlohnt werden. Klar, ich bin kein Influencer mit 3 Millionen Instagram-Fans, der ganz andere Summen verlangen könnte. Aber ein dauerhafter Blogbeitrag ist meiner Meinung nach auf Dauer mehr wert, als ein Insta-Pic, das nach wenigen Wochen in der Bilderflut verschwunden ist.

Und eine Zusammenarbeit zwischen Blogger und Unternehmen hat auch etwas mit Vertrauen zu tun. Eine Seite vertraut auf die Blogging-Skills, um die zu bewerbende Sache optimal in Szene zu setzen. Die andere Seite erwartet dafür eine angemessene Entlohnung. Wenn schon bei der ersten Kontaktaufnahme um jeden Cent gefeilscht wird, dann ist die ganze Werbeaktion zum Scheitern verdammt.

Habt ihr auch schon Erfahrungen mit frechen Anfragen gemacht?

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