Tierrettung auf Mallorca: Wenn die Polizei (Seprona) kuscht

Es gibt so Momente, da schwillt mir der Kamm. Ich bin nicht unbedingt für Tobsuchtsanfälle bekannt, doch wenn ich Tiere leiden sehe, platzt mir die Hutschnur. Wir waren die letzten drei Wochen im Urlaub auf Mallorca. Der schöne Finca-Urlaub wurde gleichzeitig zur Mission Tierrettung oder auch Mission Impossible. Denn wenn man sich auf die Polizei der Insel verlässt, ist man verlassen.

Nur zwei Minuten Fußweg entfernt von der Finca befand sich ein verwahrlostes Grundstück. Völlig zugemüllt! Auch ein Auto war drauf, das bestimmt schon seit vielen Monaten nicht mehr bewegt wurde, so wie es aussah. Das Auffälligste daran waren jedoch zwei erwachsene Hunde, denen das Elend ins Gesicht geschrieben stand. Voll mit Zecken und bis auf die Knochen abgemagert bellten sie um ihr Leben.

In den ersten Tagen sind wir noch relativ ungerührt an dem verschlossenen Tor vorbeigelaufen. Irgendwann haben wir uns die Hunde dann genauer angeschaut. Das war der Moment, in dem ich es mir zur Aufgabe machte, die armen Tiere aus ihrer Hölle rauszuholen. Mit meinen begrenzten Mitteln, versteht sich.

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Norma war verängstigt und hatte Angst vor Wasser

Da ich auch eine Mallorca-Fanseite betreibe, startete ich einen Aufruf bei Facebook. In der Hoffnung, dass jemand helfen oder Kontakt zu Tierschutzvereinen auf der Insel herstellen kann. Die Resonanz war riesig! Der Beitrag wurde über 140 Mal geteilt und dadurch von mehr als 13.600 Menschen gesehen. Parallel dazu kontaktierte ich unter anderem „Feliz Animals“ und das Rathaus der Gemeinde Petra, unserem Urlaubsort.

Es meldete sich eine Tierschützerin namens Sybille von der Organisation „Hilfe für Mallorcas Tiere“. Sie war die vergangenen zwei Wochen eine echte Stütze. Am nächsten Tag war sie bereits da und wir gingen mit ihr zu dem heruntergekommenen Messie-Anwesen. Sofort fielen ihr die Zecken auf, die dürre Hündin, der offenbar kranke Rüde. Hinzu kam, dass die Hundedame nur wenige Tage zuvor vier kleine Welpen auf die Welt brachte. Es musste dringend gehandelt werden. Eine Spaziergängerin konnte erste Hinweise darauf geben, welche Monster (Menschen wäre zu viel der Ehre!) das Grundstück zur Hölle auf Erden für die Hunde machten. Sie sprach von „Faschisten“, die einmal die Woche nach dem Rechten (im wahrsten Sinne des Wortes…) schauen. Sie war sichtlich verängstigt und machte sich Sorgen, dass sie mit uns gesehen werden könnte.

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Am Zaun wurden wir schon sehnsüchtig erwartet

Zuerst war die Überlegung, die Hunde dort einfach rauszuholen. Das wäre natürlich mit großen Risiken verbunden gewesen. Abgesehen davon, dass es auch in Spanien illegal ist, einfach in fremde Grundstücke einzusteigen, wäre die Reaktion der ausgehungerten Hunde unberechenbar gewesen. Also wandte sich Sybille an die Organisation BALDEA, die sich als Sprachrohr der Tierschutzvereine auf den Balearen versteht. Zudem wurde die Seprona eingeschaltet. Das ist jene Spezialeinheit der Guardia Civil (Polizei), die für den Natur- sowie Tierschutz zuständig ist. Zumindest ist das auf dem Papier so. In der Realität muss es sich dabei um einen Haufen von Leuten handeln, die keine Lust auf ihren Job haben. Tierschützerin Sybille fuhr mit einem unmotivierten Polizisten zum Grundstück, der offenbar kein gesteigertes Interesse zeigte, die Situation für die Tiere zu verbessern. Denn anstatt sofort einzugreifen und die Hunde zu befreien, wurde erst versucht, den Besitzer ausfindig zu machen.

Okay, da könnte man noch sagen, dass die Gesetze eben so sind. Nur waren die Besitzer – ein Ehepaar – einschlägig bekannt. Ihnen wurden mehrfach Hunde weggenommen, trotzdem konnten sie weiter illegal Hunde züchten. Bedenklich ist, dass die Polizei sich trotz der erdrückenden Beweislast nicht zückt.

Vierzehn Tage lang kauften wir Hundefutter, das wir mit Nudeln und Reis streckten, damit die Hunde wenigstens ein paar Happen am Tag zu essen bekamen. Die niedlichen Kerlchen hatten so einen Kohldampf, dass sie sogar trockene Brötchen verschlangen. Auch schmuggelten wir umständlich Wassernäpfe über den Zaun, damit die Tiere nicht verdursteten. Jedes Mal waren die Näpfe verschwunden. Das zeigt, dass diesen Monstern nichts an ihren Tieren lag und liegt. In den letzten Tagen unseres Urlaubs waren dann plötzlich 2 von 4 Welpen verschwunden – vermutlich illegal weiterverkauft.

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Zu Beginn waren es noch vier Welpen, später waren zwei weg

Leider ist bis heute nicht klar, ob und wann die Hunde befreit werden können. Die letzte Info von Tierschützerin Sybille ist, dass die Polizei mit dem Besitzer am Grundstück war. Angeblich hätten sie im hinteren Teil Futter und Wasser stehen, auch sei ein Mittel gegen die Zecken verabreicht worden. Ich für meinen Teil glaube das aber nicht. Wer die armen Kreaturen live gesehen hat, kann sich denken, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Anzeigen gegen die untätige Polizei und die Besitzer laufen.

Traurig ist, dass es sich um keinen Einzelfall handelt. Auf Mallorca werden an jeder Ecke Tiere misshandelt. Hunde werden 23 Stunden am Tag an Ketten gehalten, was per Gesetz sogar erlaubt ist. Eine Stunde am Tag wird ihnen Auslauf zugesprochen, doch wirklich nachprüfen kann das niemand. In Unmittelbarer Nähe zu unserer Finca gab es zwei dieser Kettenhunde, deren einziger Zweck es ist, Eindringlinge abzuhalten. Bei anderen Tierarten sieht es nicht besser aus.

Ich werde die Sache auf jeden Fall weiter beobachten und hoffe, dass Norma, Hector (so haben wir diese treuen Seelen genannt) und die beiden Kleinen doch irgendwie noch rauskommen werden. Wenn sich etwas ergibt, werde ich hier ein Update bringen!

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2 Kommentare

  1. Caroline sagt

    Es ist einfach traurig zu sehen, wie manche Menschen mit ihren Tieren umgehen und das man absolut nichts dagegen tun kann! Warum gibt es denn Gesetze zum Schutz der Tiere, wenn diese am Ende sowieso nur ihrem Schicksal überlassen werden?

  2. Jens sagt

    Jap die haben leider eine völlig verschrobene Sicht auf Tiere..schockt mich auch jedes mal erneut..

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