Seriöse Blog- & Content-Kooperationen? Leider Mangelware.

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Wenn man ein halbwegs erfolgreicher Blogger ist, dann bringt das einige Vorteile mit sich. Man ist sein eigener Chef, man kann von zu Hause aus arbeiten, man wird zu Events eingeladen und so weiter. Doch wie überall gibt es auch nervige Seiten an dem Job. Eine ist, dass man täglich mit dubiosen Mails bombadiert wird.

Damit meine ich nicht den üblichen Spam, sondern Nachrichten von irgendwelchen Firmen, die einem entweder irgendeinen Schnulli andrehen wollen oder einem das schnelle Geld versprechen. SEO-Agenturen sind da ganz penetrant. Klar, es gibt sicher auch einige Leuchtfackeln, die aus der Branche herausragen, aber ich hatte bislang fast ausschließlich mit Schwachköpfen zu tun.

Ich bin gerne offen für coole Content-Kooperationen, die zum Thema meines Blogs passen, aber wenn Mails wie folgt beginnen, dann weiß ich gleich, woran ich bin.

Betreff: Ein möglicher Gastbeitrag für martincfly.de

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich hoffe es geht Ihnen gut. Mein Name ist … und ich arbeite für eine Online-Marketingagentur, die hauptsächlich in den Bereichen Technologie, Innovation, Content-Publishing sowie Social Media-Marketing tätig ist.

Bei der Suche nach einer geeigneten Webseite, um einen Artikel über aktuelle Geschehnisse in diesen Bereichen zu veröffentlichen, bin ich gerade auf Ihre Seite martinmcfly.de aufmerksam geworden.

Könnten Sie sich generell eine Kooperation mit uns vorstellen, bspw. in Form eines Gastbeitrags auf Ihrer Seite? Falls Sie an einer Zusammenarbeit und dem Veröffentlichen einer unserer Artikel auf Ihrer Website interessiert sind, dann würden wir uns sehr über eine positive Rückantwort freuen. Sonst würde ich Sie aus unserem Verteiler streichen.

Erstens fällt mir auf, dass sich viele gar nicht mehr die Mühe machen, überhaupt ins Impressum zu schauen, wer sich hinter der Seite verbirgt. Da wird lieblos eine unpersönliche Anrede hingeklatscht. Zweitens kann ich es nicht leiden, wenn Leute in ihren Anschreiben um den heißen Brei herumreden.

Es geht nämlich nicht darum, einen Artikel mit Mehrwert unter die Leute zu bringen und nebenbei ein tolles Produkt, eine geniale Erfindung oder ein cooles Event zu bewerben. Der Hauptgrund dieser „Gastbeiträge“ ist, einen Backlink zu irgendwelchen Kundenseiten unterzubringen, um diese in den Suchmaschinen-Rankings zu pushen. Im aktuellen Fall von dieser Woche handelte es sich um einen Link zu einem Casino- und Sportwettenanbieter. Das passt zu einem Reiseblog so gut wie die CDU zur AFD oder wie weiße Tennissocken zu Sandalen.

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John Ridley/freeimages.com

60 Euro oder mehr für einen fertigen Artikel mit Backlink zu kassieren, klingt auf den ersten Blick eigentlich gut. Schnell verdientes Geld. Doch wer sich nicht mit der Materie auskennt, der bringt seinen Blog in ernsthafte Gefahr.

Nein, es ist natürlich nicht illegal, bezahlte Artikel zu veröffentlichen. Nur wird es von Google nicht gern gesehen. Wie jeder weiß, kommt von Google der meiste Traffic, deshalb sollte man es sich mit den Herrschaften aus Mountain View besser nicht verscherzen.

Vor ein paar Jahren, als es noch Usus war, jeden Dorfdeppen in seiner Blogroll oder seinem Text zu verlinken, habe ich auch anders gedacht. Da schlug ich aus Unwissenheit bei dem ein oder anderen unmoralischen Angebot zu. Mit der Zeit verbesserte Google seine Algorithmen und ich bekam die Quittung. Die sah so aus, dass ich mit meinem Blog (nicht martinmcfly) eben nicht mehr auf den ersten Seiten bei Google zu finden war, sondern irgendwo hinten, wo man nur noch aus Versehen hinklickt. Das kostete nicht nur viel Zeit, um sich wieder an die Spitze heranzutasten, sondern auch viel viel Geld. Keine Klicks = keine Werbeeinahmen.

Damit ihr nicht in dieselbe Falle tappt, sind hier die Spielregeln, an die ihr euch halten solltet, wenn ihr Kooperationen mit Werbepartnern eingeht und euch etwas an eurer Seite liegt.

Google-Richtlinien zum Thema gekaufte Links & Posts

  1. Der Gastbeitrag oder die Kooperation haben im besten Fall etwas mit dem Thema deiner Seite zu tun. Werbung für bunt bedruckte Briefkästen auf einer Seite, die sich um Fashion dreht? Geht gar nicht.
  2. Die Qualität der Beiträge muss stimmen. Ich setze mindestens 300 Wörter voraus, besser aber mehr.
  3. Ausgehende Links („Backlinks“) müssen mit Nofollow kekennzeichnet werden. Die meisten Agenturen wollen Dofollow-Links. Das bedeutet, dass der Suchmaschinenroboter dem Link folgt und ihn zur Bewertung der externen Seite heranzieht. Sind die Links organisch, also völlig natürlich gesetzt, ist das prima. Ich behaupte, dass die Bots heutzutage so klug sind, dass sie gekaufte Links automatisch enttarnen. Deshalb immer auf Nofollow bestehen oder zum Wohle seines Babys (dem Blog) auf das Geld verzichten.
  4. Und wenn ihr komplett auf Nummer sicher gehen wollt, dann kennzeichnet euren Artikel noch als „Gesponsert“ oder „Werbung“.

Agenturen, die sich genau an diese Regeln halten, muss man leider mit der Lupe suchen. Ein, zwei dieser weißen Schafe bin ich tatsächlich schon in freier Wildbahn begegnet.

Abschließend möchte ich einige Worte an potenziell interessierte Werbepartner richten. Ich freue mich immer über geile Kooperationen. Schon wenn ich nur eine neue Kamera testen oder ein Hotelbett probeliegen darf, bin ich gern im Boot. Weil es mir einfach Spaß macht. Es dreht sich nicht alles nur ums Geld. Für alles andere gelten die oben genannten Regeln.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht und wie handhabt ihr gesponserte Artikel? Verratet es mir gern in den Kommentaren.

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